Bluegrassliebe – Theaterspielkreis mit neuem Stück

Bluegrassliebe – Theaterspielkreis mit neuem Stück

Pfaffenhofen

Bluegrassliebe – Theaterspielkreis mit neuem Stück


Das Coming Out von zwei Jungs während eines Sommercamps, ist Kern der Geschichte, die Sylvia Ott als Abschlussarbeit zur Theaterpädagogin, mit einem sehr jungen und mutigen Ensemble auf die Bühne des Theaterspielkreises Pfaffenhofen, inszeniert hat.
Den Roman "Die Tage der Bluegrass-Liebe" von Edward van de Vendel, hat Sven j. Olsson, der übrigens mit seiner Gattin extra für die Weltuhraufführung von Hamburg nach Oberbayern gereist war, für die Bühne bearbeitet. Trotz einiger Anpassungen an die hiesige Bühne und Textänderungen, die dem Zeitgeist geschuldet sind, hat er sein Stück „wiedererkannt“, so Sven j. Olsson. Die Leistung der jungen Theatertruppe lobte er überschwänglich. „Im Staatstheater habe er schon Schlechteres gesehen“- für einen kühlen Hamburger, mit lebenslanger Theatererfahrung, eine erstaunliche Aussage.


Lars aus Amsterdam (Manuel Andre) und Oliver aus Norwegen (Peter Sampel) treffen in Knoxville, im „Little Word-Camp“ als Jugendbetreuer aufeinander und erleben wie aus anfänglicher Freundschaft und Zuneigung, Liebe wird. Im Spannungsfeld, Feriencamp, weiblicher Kontakt mit Dona (Jana-Maria Habl) und Sherylien (Elena Fischer), der Campleitung John (Claus Promberger) und Carol (Monika Fischer), entsteht ganz langsam und zärtlich, die Geschichte.
Mit einer gescheiterten Beziehung zu Nina (Anna Hirschberger) beginnt für Lars und die Zuschauer das Stück. Am Ende steht er praktisch wieder vor der gleichen Situation mit Oliver und der Kreis schließt sich. Es geht nicht unbedingt um Homosexualität, es geht um Mut, Toleranz, Ehrlichkeit und die Gewissheit, die richtige Entscheidung treffen zu können.


Die fünf jungen Laiendarsteller, die mit unglaublichem Einfühlungsvermögen diese aufregende Geschichte umsetzten, sind kaum älter als die Figuren des Stückes. Umso anerkennenswerter ist ihre Leistung auf der Bühne. Man hört das Stück förmlich wachsen, spürt die Verzweiflung und Begeisterung, wird mit hineingerissen in die knisternde Erotik einer jungen Liebe. Egoismus und falsch verstandene Hilferufe drängen die beiden Hauptdarsteller, Lars und Oliver, zu einem finalen Entscheidungskampf, der hautnah ausgetragen wird. Nähe und Entfernung, Verlangen und Ablehnung, die homosexuelle Beziehung funktioniert nicht anders als die heterosexuelle. Neugierige Blicke auf küssende junge Männer, verbieten sich genauso, wie die auf die weiblichen Reize, bei einer Poolszene in Badekleidung.


Das hochfunktionelle Bühnenkonzept, das passend zum „Bluegrass“ (Musikstil in Knoxville nach einem blauschimmernden Grassorte benannt) in grün, weiß und blauer Beleuchtung, gehalten ist, haben Jamil El-Jolani und Stefan Gnann, entwickelt. Diese minimalistische Welt, geschuldet der vielen Spielorte im Buch, lässt den Gefühlen, sozusagen, freien Lauf. Hervorragend getimte, kurze Toneinspielungen (Michael Promberger), ersetzen weitere Verortungen. Als Erzähler beleuchten Lars und Oliver die Vergangenheit und verbinden einzelne Ereignisse.
Ein gewaltiges Stück Arbeit das Sylvia Ott mit ihrem Theaterteam hier umgesetzt hat, das doch sehr umfangreiche Bühnengeschehen, absolut stimmig und wunderbar in Spannung gehalten. Eine Geschichte die sich nicht nur für Theaterbegeisterte lohnt, sondern auch für Schulen einen hohen Erlebniswert bietet. Wie schon erwähnt, es geht um Beziehungen, Toleranz und Mitgefühl. Das Premierenpublikum war absolut begeistert und die Schauspielertruppe gerührt bis zu den Zehenspitzen, Gänsehautfeeling beim Bluegrass, absolut empfehlenswert!


Termine sind am Sonntag, 28. Februar, Freitag, 4. März, Samstag, 5. März, Sonntag, 6. März, Freitag, 11. März, und am Samstag, 12. März, jeweils um 20 Uhr im Theaterspielsaal im Haus der Begegnung. Karten bei Schreibwaren Prechter und Theaterspielkreis karten@theaterspielkreis.de
 

 

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