Überwältigend vielseitige Kunstausstellung im Finanzamt

Überwältigend vielseitige Kunstausstellung im Finanzamt

Pfaffenhofen

Pfaffenhofen, 23.01.2014 (wk).

 

Renate Heller                                                  Ines Kollmeyer

Karin Plate-Mathur                                               Ingrid Suhle

Dr. Uwe Quade

Fünf Künstlerinnen und Künstler aus der Mitte des Landkreises luden zur Vernissage in das Finanzamt auf Vorschlag des stellvertretenden Leiters Franz Peter. Eigentlich hätten es nur Künstlerinnen aus Rohrbach sein sollen, die Franz Peter als Rohrbacher Bürger gern eingeladen hätte, doch viele der im Kunstkreis organisierten Damen hatten kein Interesse, da sich eine Ausstellung für sie nicht lohne.

  

Blumen für die Künstlerinnen: Ines Kollmeyer      Karin Plate-Mathur


Ines Kollmeyer,die in hiesigen Kunstkreisen eher noch als Ines Appel bekannt ist (obwohl sie ihre Bilder mit IP für Ines Pella, ihrem Geburtsnamen, signiert) hatte die Damen des Kunstkreises Rohrbach auf Bitte von Franz Peter angesprochen und war enttäuscht über deren Absage. Trotzdem schaffte sie es, aus Rohrbach Dr. Uwe Quade, Ingrid Suhle, Karin Plate-Mathur und die Geisenfelderin Renate Heller für eine Ausstellung im Finanzamt zu begeistern. Und alle fünf schafften es, die gesamten Stockwerke des Finanzamtsgebäudes zu bestücken. Und die Bilder, Kollagen und Skulpturen waren so vielfältig, wie die Individualität der Künstler/innen.

(v.l.) Franz Rothmeier, Manfred Russer, Franz Peter, Hans Prechter, Helmut Inderwies

Franz Peter begrüßte die Gäste zur 38. Ausstellung im vollbesetzten großen Sitzungssaal und die Vielzahl der Gäste motivierte ihn, auch weiterhin Ausstellungen zu organisieren. Als besondere Gäste konnte er den stellvertretenden Landrat Franz Rothmeier, Bürgermeister Manfred Russer (Hohenwart), Altbürgermeister Hans Prechter (Pfaffenhofen), Stadtrat Franz Schmuttermayr und Helmut Inderwies als früheren Kulturreferenten aus Pfaffenhofen begrüßen. Da Franz Peter seit langem den Herzenswunsch hatte, Rohrbacher Künstler für eine Ausstellung im Finanzamt zu begeistern, war er über das Engagement von Ines Kollmeyer für diese Ausstellung sehr angetan. Er stellte den anwesenden Gästen die einzelnen Künstlerinnen und Künstler vor und überreichte den Damen einen schönen Blumenstrauß sowie Uwe Quade ein Präsent.


Als Laudator fungierte in altbekannter Weise Helmut Inderwies, der sich erstmalig bei seiner Laudatio exemplarisch mit je einem Werk der Künstler auseinandersetzte. Er führte in das Thema ein, dass die Besucher vielleicht eine Harmonie, einen Gleichklang der Werke erwarten würden, da alle aus der gleichen Region stammten, andererseits aber auch einen Ausdruck ihrer Individualität erwarteten, so wäre dieser Widerspruch nicht aufzulösen, auch wenn sich die Künstler kennen und zum Teil auch gegenseitig inspirieren mögen. Aber die heutige Kunst ist nicht mehr so in eine Richtung gedrängt, wie es noch vor vielen Jahrhunderten durch Kirche und Adel üblich war. In den letzten Jahrhunderten hätten sich die Künstler individualisiert, und dies verdeutlichte er dann anhand der exemplarisch ausgesuchten Werke.


Helmut Inderwies vor dem Bild "Weinlaube"

Renate Heller stellte ihre mediterranen Bilder in der Fresco al Secco Technik aus, einer Technik bei der Pigmente auf trockenen Putz aufgetragen werden, entweder auf Holzplatten, Karton oder auch Leinwand. Ihre Bilder strahlen die Wärme und Leichtigkeit des Südens aus. Und die auf dem exemplarischen Bild „Weinlaube“ dargestellten Gegenstände und die Landschaft interpretierte Helmut Inderwies mit der tiefen Symbolik die im Bild steckt: Wein als Symbol ritueller Praktiken und religiösen Verehrung, der Krug für Trank-Opfer und Reinwaschung und die ausgewogene harmonisch-klassische Landschaft des Südens mit ihren Säulenzypressen als Ausdruck einer nostalgischen Stimmung, weil es die Vergangenheit in die Gegenwart heraufholt. Daneben hatte Renate Heller auch Tonarbeiten, vor allem Kugeln und Pyramiden ausgestellt.


Von Ingrid Suhle hatte sich Helmut Inderwies das Bild „In Venedig“ (oben rechts)ausgesucht. Das Bild führe den Betrachter mitten hinein in die Stadt mit ihren vielen Gassen, Palästen, Kanälen und Brücken bei weitgehender Reduktion der Gegenständlichkeit und Beschränkung auf grobe Umrisse, somit sei nicht mehr erkennbar, wo und was es ist. Eine menschenleere, statische Szene, in der die Zeit scheinbar einen Stillstand erfährt. Man spricht deshalb von einer offenen Bildgestaltung des Künstlers, wie sie bei den Impressionisten üblich war. Das Bild vermittle einen hohen Grad der Anonymität und der Betrachter ist gefordert, die Interpretation des Bildes aufgrund seiner eigenen Kenntnisse von Venedig vorzunehmen. Neben ihren Bildern, einer riesigen Patchworkdecke und einem barocken Kleid hatte Ingrid Suhle auch frühe Modeentwürfe aus ihrem Modedesign-Studium und Arbeiten früherer Malschülerinnen ausgestellt.
Von Uwe Quade, einem promovierten Physiker, hatte Helmut Inderwies dessen Bild „Sonnenuntergang am Canale Grande“ (oben links) ausgesucht, ein Aquarellbild mit digitaler Fotobearbeitung, bei dem der rote Sonnenuntergang im Schwarz des Himmels die Paläste am Kanal verfärbt. Die beleuchteten Fenster der Paläste und die Gebäude selbst sind nicht detailgetreu dargestellt, sondern reduziert auf das Empfinden des Künstlers, so Inderwies. „Auf eine genaue Identifizierung der Gebäude, auf Einzelheiten aber kommt es dem Künstler hier ebenso wenig an wie vorher bei der Venedig-Darstellung von Ingrid Suhle. Es geht ihm hier vielmehr primär darum, Atmosphärisches zu vermitteln, den Lichterglanz und den magischen Zauber dieses historischen Kanalabschnitts als Emblem der Stadt besonders zu betonen.“ Neben seinen Bildern hatte Uwe Quade aber auch weiß lackierte Tonskulpturen sowie große Holzreliefs ausgestellt.


Von Karin Plate-Mathur hatte Helmut Inderwies das Bild „Urknall“ (oben rechts) zur Besprechung ausgewählt und es als Beginn und Mittelpunkt des Kosmos interpretiert, den niemand kenne und das Bild auch im Zusammenhang mit der biblischen Schöpfungsgeschichte gedeutet werden könne. Die orangefarbigen Punkte erinnerten an „es werde Licht“ und das Blau erinnere an Wasser am zweiten Tag der Schöpfung. Die nichtgegenständliche bzw. abstrakte Darstellungsform steigert sich im Bild im Vergleich zum vorhergehenden noch einmal erheblich. Auch wenn die neueren Theorien des Urknalls ein bereits zuvor existierendes Universum glauben lassen, so könnte das Bild von Plate-Mathur sogar beide Theorien abdecken. Plate-Mathur hatte darüber hinaus einige mystische – und Blumenbilder ausgestellt.
Zum vorherigen Bild passend hatte sich Helmut Inderwies das Bild „Zentrum des Universums“ von Ines Kollmeyer (oben links) ausgesucht mit einem riesigen Sonnenball im Mittelpunkt und mit weißen und schwarzen Punkten angedeuteten Kreise um diese Sonne. Man könnte dieses Bild eher dem heliozentrischen Weltbild des Kopernikus zuordnen, obwohl die Wissenschaft inzwischen davon ausgeht, dass das Universum kein Zentrum besitzt sondern aus Milliarden Universenbestehen wird. Wassily Kandinsky hatte schon darauf hingewiesen, dass Kunst kosmischen Gesetzen unterworfen ist, die durch die Intuitionen des Künstlers aufgedeckt werden. Kunst hat auch Symbolcharakter, vor allem abstrakte Kunst. Die Kugel als ein ins Dreidimensionale übertragener Kreis ist Symbol für Vollkommenes, für harmonische Einheit, und zusammen mit der gelben Farbe der Sonne, das im Bild in Gold übergeht, ist Symbol für Ewigkeit, also Symbol für Göttliches und damit auch geistige Quelle menschlicher Inspiration und Intuition sowie der Stimmungen der Seele, eben das, was die Künstlerin in ihren Bildern zum Ausdruck bringen will. „Der Betrachter wird sich somit seiner Endlichkeit bewusst“, so Helmut Inderwies zum Abschluss.


Die Vernissage wurde musikalisch begleitet vom Didgeridoo-Duo Peter Deak/Uwe Hessdörfer aus Geisenfeld und endete mit einem von den Künstlern und dem Kunstkreis des Finanzamtes gesponserten Buffet, bei dem alle Gäste die Möglichkeit nutzten, sich mit den Künstlern zu unterhalten und in Ruhe die Werke in den Gängen zu besichtigen und zu kommentieren.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 2. April und ist während der Öffnungszeiten des Finanzaamtes zu sehen: täglich ab 7.30 Uhr, Montag, Dienstag, Donnerstag bis 14.30 Uhr, Mittwoch bis 17.30 Uhr, Freitag bis 14.30 Uhr

 

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