Zohre escaped – keine alltägliche Fotoausstellung

Zohre escaped – keine alltägliche Fotoausstellung

Pfaffenhofen

Pfaffenhofen, 08.04.2013 (mh).

Der Journalist und Fotograf Richard Kienberger, ein international bekannter Pfaffenhofener, auch das gibt es, hat sich die Kulturhalle Pfaffenhofen untertan gemacht. Mit ein paar Holzleisten, diversen Kerzen und schwarzen Soffitten nebst archaischer Keramik verwandelte er mit seinen Fotografien das alte Industriegebäude in eine Galerie, die in jeder Großstadt dieser Welt stehen könnte.

Flucht, Vertreibung, Migration, Neuanfang, die Überschriften der Bildmenschen Themenbereiche sind weltweite Bewegungen, die uns alle betreffen und nicht draußen vor der Tür stattfinden. Er ist viel unterwegs, der Richard Kienberger, unternimmt von seinem Stützpunkt in Hohenwart aus viele berufliche Reisen in so manches Krisengebiet. Er kennt die Ursachen vor Ort oder die Wirkung weltweiter Wirtschaftspolitik auf Entwicklungsländer, welche Menschen dazu zwingt, ihre Heimat zu verlassen. Diese Menschen und ihre Wege stehen im Mittelpunkt seiner schwarzweißen Fotografie, Gesichter und die Geschichten, die sie erzählen, begegnen uns in der weiß getünchten, weiten Halle.

Das afghanische Model Zohre Esmaeli gibt der Ausstellung und dem dazu erschienenen Buch mit ihrem Vornamen nicht nur den Titel, sondern mit ihrer ganz persönlichen Fluchtgeschichte auch Inhalt. Als Dreizehnjährige flüchtete sie mit ihrer Familie aus ihrem geschundenen Heimatland Afghanistan. Im Pfaffenhofener Landkreis wird die Flucht nach vierzehn Jahren fotografisch nacherzählt, eine legitime Art, auch den veränderten Charakter dieser wunderschönen Frau zu zeigen. Noch heute quälen sie Alpträume von ihrer gewaltsamen Entwurzelung, ist ihr Jetzt von dem Damals bestimmt, hat ihre internationale Erfolgsgeschichte auch eine dunkle Seite.

Eine Fotoausstellung zeigt Fotos, erklärt vielleicht noch Ursprung und Absicht, ist eine anerkannte Kunstform, doch genauer zeigt sie technisch gefrorene Zeit, einen vergangenen Moment festgehalten für eine materielle Ewigkeit. Kienberger hat diese Kunst für sich und für uns perfektioniert, seine Auswahl ist es, die berührt, aufwühlt, nervt und bezaubert. Wollen wir das alles wissen, was hat es mit uns zu tun, was kann ich auf diese Tanzkarte antworten, unbefleckt nach Hause ist danach nicht möglich. Keiner der Besucher kennt keinen Flüchtling, die Flucht, der Weg und das Ankommen ist Bestandteil der menschlichen Entwicklung, jeder ist gemeint, vielleicht dem Anderen so viel Platz neben sich zuzugestehen, wie er selber gerne hätte.
 

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