Theater bei Familie Stangassinger

Theater bei Familie Stangassinger

Scheyern

Scheyern, 21.10.2016 (rs).

Schön sei es jedes Mal, wenn der Saal voll ist, freute sich Regisseur Gerhard Euringer bei der Begrüßung des Publikums zur diesjährigen Aufführung der Theaterbühne Scheyern. "Das sündige Dorf" wird heuer vorgestellt, eine bayerische Komödie von Max Neal, die bereits mehrfach verfilmt wurde. 13 Vorstellungstermine sind eingeplant, und jede davon ist bereits ausverkauft. Wen wundert's bei dieser Professionalität, die der Theaterverein in allen Belangen auf und hinter der Bühne bietet?

Das Theaterstück selber hat alles, was es für ein Bauerntheater braucht:

  • das bäuerliche Wohnzimmer als Kulisse;
  • das Ehepaar mit den altbekannten Mann-/Frau-Konflikten (wer ist denn nun der Herr im Haus?), die Söhne auf Freiersfüßen wandelnd, die angebeteten Madl'n und die guten Freunde des Hauses;
  • in der Ausgangssituation Geheimnisse der Protagonisten voreinander sowie jede Menge Spielraum für Intrigen und Missverständnisse.

Wie sich im Laufe der Handlung herausstellt, hatten sowohl der Bauer vom Salmerhof Thomas Stangassinger (Sepp Gremminger) als auch seine Gattin Stasi (Birgit Streibich) vor bzw. zu Beginn ihrer Ehe Affären, die nicht ohne Folgen geblieben sind. Der jeweils andere ahnt natürlich nichts von alledem; erst als die vermeintlich gemeinsamen Söhne Sepp (Lukas Euringer) und Toni (Andreas Oberhauser) den Eltern ihre scheinbar nachbarschaftlichen Auserwählten (Selina Sievers als Vevi und Miriam Seltmann als Afra) vorstellen, dämmert's den Ehepartnern unabhängig voneinander - und vom Fehltritt des jeweils anderen nichts ahnend -, welche partnerschaftlichen Geschwistersituationen sich damit ergeben würden. "Wenn der Sepp und die Vevi a Kind kriag'n, dann war der Sepp zwar der Vater. Aber weil d'Vevi a sei Schwester is, warad er da Onkel vo seim eigenen Bua", stellt der Freund des Hauses Korbinian Roßberger (Karl Euringer) demzufolge auch verwirrend, aber zutreffend fest. Dass sich am Ende alles zu jedermanns Zufriedenheit auflöst, ist auch klar und gehört zu dieser Form des Theaters einfach dazu. Jedoch bleibt auch die Erkenntnis, dass "a Lumperei is und bleibt a Lumperei".

Mit einer - wie eigentlich immer - detailverliebten Kulisse in durchwegs passenden Kostümen (Doris Kalthoff, Sepp Gremminger) sowie einer professionellen Technik (Wilfried Kalthoff, Charlotte Maier) kann die Scheyerer Bühne auch dieses Jahr wieder vollends überzeugen. Dass der Übergang von der angegliederten Jugend- zur Erwachsenenbühne reibungslos funktioniert, wird bei einem Blick auf die Besetzungsliste deutlich: mit Lukas Euringer, Andreas Oberhauser, Selina Sievers und Miriam Seltmann standen vier Akteure im Ensemble, die ihre erste Bühnenerfahrungen in der Jugendgruppe gemacht haben. "Wir sind alles in allem hervorragend aufgestellt", konstatiert denn auch der Vorstand des Theatervereins, Siegfried Einödshofer; "dennoch suchen wir dringend weitere aktive Mitglieder, die auf und hinter der Bühne unterstützen."

Die Aufführung von "Das sündige Dorf" hat auch in der Spielzeit 2016 wieder einmal bewiesen, wie professionell, ausgeklügelt und auch routiniert die Scheyerer Bühne geworden ist. Das Ensemble hat ausreichend Potential zur Besetzung unterschiedlichster Charaktere, die Technik wird von Jahr zu Jahr ausgefeilter und der Saal bietet ein Ambiente, das seinesgleichen sucht. Kein Wunder, dass die Kundschaft Schlange stand, als der Kartenvorverkauf begann!
 

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