ST Scheyern verlässt die JFG Pfaffenhofen

ST Scheyern verlässt die JFG Pfaffenhofen

Scheyern

Scheyern, 10.03.2013 (rs).

Im Juli 2009 gründete sich die JFG Pfaffenhofen Land mit dem Ziel, den Jugendfußball in der Kreisstadt auf ein qualitativ höheres Niveau zu heben. Mit Beginn der Saison 2010/11 nahmen die Mannschaften der JFG aktiv am Spielbetrieb teil. Jetzt steht der Verein vor einer Zerreißprobe.

Die Gründungsmitglieder der Junioren-Förder-Gemeinschaft waren der FSV und der MTV Pfaffenhofen, im August 2011 trat der ST Scheyern dem Verein bei. Erklärtes Ziel war es seinerzeit, den Jugendlichen und dem Fußball in Pfaffenhofen eine bessere sportliche Perspektive bieten zu können. Darüber hinaus sollte es durch die Breite erreicht werden, höherklassig spielen zu können, einen breiteren Trainerstab verfügbar zu haben und zu guter Letzt eine bessere Präsenz in der Öffentlichkeit zu generieren und darüber die Aufmerksamkeit von Sponsoren zu erhöhen.

Damals war's: Markus Ertl (Jugendleiter JFG), Peter Oberndorfer (Jugendleiter STS), Bernhard Kästle (damaliger Vorstand JFG) und Stefan Koller (Vorstand STS)

Genau Letzteres scheint sich aber schließlich als Trugschluss erwiesen zu haben: gestiegene sportliche Ambitionen erfordern in der heutigen Zeit bessere finanzielle Möglichkeiten der Vereine. Da die Sponsoren aber nicht wie erhofft auf den JFG-Zug aufsprangen, fehlten immer mehr die Mittel, den qualitativen Anforderungen gerecht zu werden, die man an sich selber gestellt hatte. Eine andere Alternative zur Verbesserung der finanziellen Lage weist Peter Oberndorfer, Jugendleiter im ST Scheyern, schon im Ansatz zurück: "Überdurchschnittliche Beiträge sind den Eltern unserer Spieler nicht zu vermitteln, doppelt so hohe Beiträge wie in den Nachbarvereinen bezahlt werden müssen, würde das Aus für den Breitenfußball bedeuten und Jugendliche bewegen, dem Fußball den Rücken zu kehren. Außerdem würde diese Maßnahme auch nur ein zu kleines Loch stopfen können."

Bei einem Treffen der Vereinsvorstände am heutigen Sonntag zwischen Martin Rohrmann (Vorstand JFG), Peter Wittmann (FSV), Albert Gürtner (MTV) sowie
Stefan Koller (ST Scheyern) teilte der ST Scheyern mit, nach Abschluss der Saison 2012/13 aus der JFG Pfaffenhofen Land auszutreten.
 

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Interview mit Peter Oberndorfer, Jugendleiter der ST Scheyern Fußballabteilung, zum Austritt seines Vereins aus der JFG Pfaffenhofen-Land:
 

HAL: Herr Oberndorfer, was waren seinerzeit die Beweggründe des ST Scheyern, der JFG Pfaffenhofen-Land beizutreten?

PO: Der ST Scheyern als zwar in der Jugendarbeit sehr gut aufgestellter, aber in Summe vergleichsweise kleiner Verein hatte zunehmend Schwierigkeiten, gerade bei den älteren Jahrgängen der B- und A-Junioren Mannschaften für den Spielbetrieb zusammen zu bekommen. So sahen wir in der JFG Pfaffenhofen Land eine Möglichkeit durch das Mehr an verfügbaren Spielern, sowohl den sportlichen Ansprüchen einzelner gerecht werden zu können als auch denjenigen Spielern, die im Fußball in erster Linie die Gemeinschaft eines Mannschaftssports schätzen, das entsprechende Angebot unterbreiten zu können.

HAL: Wie beurteilen Sie nach jetzt 2 Jahren, in denen der ST Scheyern Teil der JFG Pfaffenhofen Land war, die Entwicklung der Junioren-Förder-Gemeinschaft?

PO: Die JFG hat es bis zum heutigen Tag leider nicht in ausreichendem Maße geschafft, notwendige finanzielle Mittel über das Beibringen von Sponsoren zu generieren. Die Umsetzung sportlicher Ambitionen kostet heutzutage Geld - für gute und ausgebildete Trainer beispielsweise, für Trainingsgerät oder auch für Trikotsätze. Über die fehlenden Mittel entsteht von unten herauf Unzufriedenheit, die sich auf die Verantwortlichen überträgt. Aus solch einer Situation heraus kann sich kein Wir-Gefühl entwickeln, das unbedingt notwendig ist zur Identifikation mit einem Verein. Hinter dem reinen Spielbetrieb muss es eine engagierte und motivierte Mannschaft geben, die für funktionierende Strukturen im Verein sorgt, sich um Öffentlichkeitsarbeit kümmert und um die Gewinnung von Freunden und Sponsoren.
Des Weiteren stellte sich heraus, dass eine erheblich unterschiedliche Auffassung in der Frage der finanziellen Ausstattung bei den Partnern der JFG bestand. Somit kam meines Erachtens der Breitenfußball in den 2. und 3. Mannschaften hinsichtlich ausreichend geeigneter Trainer zu kurz. Auch die Entfernung der Trainings- und Spielstätten wurden für einige zum Problem. Eine Kommunikation pro JFG wurde in Scheyern immer schwieriger und wir hatten auch etliche Abgänge zu beklagen.

HAL: Wie geht es jetzt weiter: einerseits mit der JFG Pfaffenhofen-Land und dann aber auch mit dem Jugendfußball im ST Scheyern?

PO: Na ja, es bleiben ja mit dem FSV und dem MTV 2 Stammvereine in der JFG. Was sich ändert ist, dass der ST Scheyern ab der kommenden Saison wieder seine eigenen Jugendmannschaften für den Spielbetrieb anmelden wird. Das war für die F- bis D-Junioren auch die vergangenen beiden Jahre so. Mit dem Rückzug aus der JFG können die Spieler des Stammvereins ST Scheyern auch wieder bei uns auf Torejagd gehen. Nicht auszuschließen ist, dass der Eine oder Andere die sportlichen Möglichkeiten in der JFG als besser ansieht und es darüber eventuell auch zu Vereinswechseln kommen wird.

Mit der Rückkehr unserer Spieler nach Scheyern werden wir mit Sicherheit eine C-Jugend-Mannschaft melden können. Über B- und A-Junioren (U17 und U19) kann ich leider zum jetzigen Zeitpunkt noch keine verbindliche Aussage machen. Hier ist es sehr stark davon abhängig, wie sich die Mehrzahl der Spieler entscheidet. Optionen wären jedoch in jedem Fall gegeben: entweder über eine gemeinsame B- und A-Mannschaft oder auch über eine für diese Jahrgänge einzugehende Spielgemeinschaft mit einem Verein aus einer Nachbargemeinde.

Auf jeden Fall, werden wir in den nächsten Jahren alles daran setzen, eine breit aufgestellte Jugendabteilung aufzubauen. Mit unserer hohen Identifikation zum Verein von Spielern und Verantwortlichen, dem geplanten Multikleinfeldplatz und vor allem mit unserer sehr starken Finanz- und Förderstruktur wird uns das auch gelingen.

HAL: Herr Oberndorfer, wir danken für das Gespräch und die offenen Worte und wünschen Ihnen mit dem ST Scheyern, aber natürlich auch der JFG Pfaffenhofen Land viele sportliche Erfolge und schöne Spiele.
 

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