Diffamierte Windener wehren sich - Polizei erhält Strafanzeige

Diffamierte Windener wehren sich - Polizei erhält Strafanzeige

Winden am Aign

Winden am Aign , 20.07.2015 (rt).

Dieses Flugblatt der Antifaschistischen Gruppe Ingolstadt entrüstet zahlreiche Windener.

 

Ein juristisches Nachspiel wird es nach der Flugblattaktion der Antifaschistischen Gruppe Ingolstadt vom Wochenende geben. Viele Bürger aus dem Reichertshofener Ortsteil Winden am Aign fanden am vergangenen Samstag den Zettel in ihrem Briefkasten vor und waren von dessen Inhalt schockiert. Unter anderem wird ihnen darin auch eine Mitverantwortung an dem mutmaßlichen Brandanschlag auf den früheren Däuber-Landgasthof unterstellt,  in den im September die ersten Flüchtlinge einziehen sollen. Mittlerweile ist dazu die erste Anzeige bei der Polizei eingegangen.

Für die Brandsätze den Boden bereitet hätten jene „besorgten Bürger“, die anstatt auf nüchterne und sachliche Informationen „auf Dorfgespräch und Stimmungsmache gesetzt haben.“ Dies und unter anderem auch jenes steht auf dem Zettel zu lesen: „Mitverantwortung tragen auch die, die zwar mit dieser Hetze nicht einverstanden waren, aber auch nicht dagegen aufgestanden sind!“  

Auf dem Blatt ist dazu noch ein Foto abgebildet; darauf sind  mehrere Personen zu sehen, die Protestplakate in die Höhe halten. Quer darüber steht: „Die (geistigen) Brandstifter von Winden!“ Bemerkenswert dabei ist, dass das Wort „geistigen“ explizit in Klammern gefasst worden ist. Bei der Abbildung selbst dürfte es sich um ein Motiv aus dem vergangenen März von der Demonstration vor dem Reichertshofener Rathaus handeln. Damals protestierten überwiegend Windener Bürger, teilweise organisiert in einer extra dafür gegründeten Bürgerinitiative, gegen die ihrer Ansicht nach zu hohe Belegungszahl mit Asylbewerbern in einem in ihrem Ortsteil gelegenen Landgasthof. Am vergangenen Samstag wurde aber nicht nur das Flugblatt verteilt, es gab auch eine „Mahnwache“ vor der künftigen Asylbewerberunterkunft. Unter anderem nahm daran auch die Linken-Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schröter teil. Zudem fanden sich selbigen Tages auch auf die Straße gemalte Sprüche wie etwa jener: „3 sind gekommen, 5 sind geblieben, gießt Wasser in die Suppe, heißt alle willkommen.“

Rufmord per Flugblattaktion 

"Was da am Samstag abgelaufen ist, dabei handelt es sich um eine Hetzkampagne, die ihresgleichen sucht. Wir als Bürgerinitiative, die sich nur gegen die hohe Belegungszahl ausgesprochen hat, sind entsetzt über den Brandanschlag aber auch über die aktuelle Reaktion, die auch in dem Flugblatt der Antifaschistischen Gruppe Ingolstadt öffentlich geäußert wurde“, sagt Werner Klein, Sprecher der Windener Bürgerinitiative. Es handele sich hierbei „doch nur um Trittbrettfahrer, die versuchen, Stimmung von außerhalb zu machen gegen unseren Ort aber auch gegen unser Bürgerinitiative.“ Klein und etliche andere Windener wollen das nicht auf sich sitzen lassen. „Die stellen ganz Winden unter Generalverdacht und betreiben Rufmord“, wettert Klein. „Das lassen wir uns nicht gefallen, deshalb haben wir natürlich die Polizei informiert und leiten jetzt rechtliche Schritte gegen die Urheber dieses Pamphlets ein.“ Klein zeigt sich ratlos darüber, „wie es zu schaffen ist, dass in Winden endlich wieder Ruhe einkehrt." Dem Wunsch nach einer Reduzierung der Belegungszahlen ist Landrat Martin Wolf (CSU) nach längeren Verhandlungen mit dem Investor bekanntlich vor geraumer Zeit nachgekommen und so soll die vom Landkreis angemietete Unterkunft ab September nur noch mit bis zu 67 anstatt über 130 Asylbewerbern belegt werden.

Beschimpfungen, Vorhaltungen und Verdächtigungen

Im Rathaus der Marktgemeinde geht es derweil ebenfalls rund, nachdem auch bundesweit bekannt wurde, dass es in dem Landgasthof brannte. Reichertshofens Bürgermeister Michael Franken (JWU) bekommt seit Tagen aus der ganzen Republik sowohl von extrem linker als auch extrem rechter politischer Seite auf verschiedensten Kommunikationswegen Mitteilungen, die im Wesentlichen das übliche Spektrum an Beschimpfungen, Vorhaltungen und Verdächtigungen umfassen. Das am vergangenen Wochenende aufgetauchte Flugblatt der Antifaschistischen Gruppe Ingolstadt, in dem vielen Windener Bürgern unterstellt wird, sie seien mindestens „geistige“ Brandstifter, macht da nur einen kleinen Teil davon aus.

Von Demonstrationen jedweder Art, insbesondere auch vor dem Däuber-Anwesen, hält der Ortschef allerdings nichts. „Was Elisabet Kukral als Leiterin des Helferkreise bereits gesagt hat, dass es für alle Teile sinnvoll wäre, jetzt eine gewisse Ruhe zu haben für die Vorbereitungen auf das Eintreffen der Asylbewerber, ist vollkommen richtig“, stellt Franken klar. Ebenso seien irgendwelche Schuldzuweisungen oder Unterstellungen fehl am Platz. „Die Windener Bürger haben immer gezeigt, dass sie nicht gegen die Unterbringung von Asylbewerbern an sich sind, sondern es ging ihnen immer nur um die Höhe der Belegungszahl.“ Wer die tatsächlichen Brandstifter seien, das sei jetzt die Sache der Polizei, dies aufzuklären.

Anzeige eingegangen

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord hat bereits bestätigt, dass es im Falle des Flugblattes mindestens eine Anzeige wegen Beleidigung und übler Nachrede gibt. Die Mahnwache ist von den Ordnungshütern ebenfalls bemerkt worden, doch würden dazu „akut keine Ermittlungen“ laufen. Ungeachtet dessen ist am heutigen Montag im Landratsamt Pfaffenhofen das Ordnungsamt in dieser Sache tätig, da die derzeit als Mahnwache betitelte Veranstaltung offenbar nicht als Demonstration angemeldet war. „Eine Prüfung im Sinne des Versammlungsrechtes läuft gerade“, sagt Karl Huber, Sprecher der Kreisbehörde.
 

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