Wohnformen im Alter – eine Zusammenfassung

Wohnformen im Alter – eine Zusammenfassung

Schweitenkirchen

Schweitenkirchen, 13.03.2017 (ls).

Die Referenten des gesundheitspolitischen Arbeitskreises der CSU v.l.: Schweitenkirchens Bürgermeister Albert Vogler, Bundestagsabgeordneter Erich Irlstorfer, Horst Killer und Landrat Martin Wolf

 

Im Alter vereinsamen oder in einer fremden Umgebung dem Ende des Lebens entgegen blicken – das sind Ängste, die viele Menschen umtreiben, wenn sie sich damit beschäftigen, wie ihr Lebensabend wohl aussehen wird. Bundestagsabgeordneter Erich Irlstorfer, Pflegeexperte Horst Killer und Landrat Martin Wolf widmeten sich im gesundheitspolitischen Arbeitskreis der CSU genau diesen Themen. Konkret gesprochen: Wie wird sich die Wohnsituation für Senioren in Zukunft entwickeln?

Im Verlauf der Vorträge stachen zwei Hauptproblematiken sehr deutlich ins Auge. Der demographische Wandel ist einer von ihnen und mittlerweile wohl allen hinlänglich bekannt. „Während bei den 70- bis unter 75-Jährigen „nur“ jeder Zwanzigste (5%) pflegebedürftig war, beträgt die Quote für die ab 90-Jährigen 66%.“ Das schreibt das statistische Bundesamt in seiner jüngsten Pflegestatistik. Konkret bedeutet das: Die Menschen werden älter und brauchen dementsprechend mehr Pflege, soweit zumindest das Einmaleins dieser Prognose.

Es wäre insofern nicht problematisch, wenn genügend Menschen nachkommen würden, die sich darum kümmern könnten. Aber die Gesellschaft hat sich nun einmal verändert. Junge Frauen sehen sich mit einem Spagat zwischen Beruf und Familie konfrontiert, der noch oft genug belächelt wird, aber immense Auswirkungen auf die demographische Entwicklung hat. Horst Killer sprach in diesem Zusammenhang auch den Begriff der „Versingelung“ an, der eine weitere komplexe Variable in die Gesamtrechnung einfügt. Immer mehr Mensch leben allein und können sich im Alter auch nicht auf ein familiäres Netzwerk stützen. Die wesentlich akutere Angelegenheit dabei ist jedoch die zweite Hauptproblematik, die er weiter ausführte. Immer weniger Menschen leben auf immer größeren Flächen. Die Folge: An vielen Stellen fehlt es an passenden Wohnkonzepten, so auch in der Pflege und im Alter.

Killer hatte hier sehr konkrete Zahlen im Gepäck. In 75% der deutschen Haushalte leben ein bis zwei Personen auf durschnittlich 91 qm Wohnfläche mit 4,4 Zimmern. Ist man durch das Alter in der Bewältigung des Alltags eingeschränkt, ist so viel Raum oft mehr Herausforderung als Lebensqualität. Auch die Frage der Finanzierbarkeit stellt sich hier. In Bayern erleben laut Umfragen 17% der Menschen ihre Wohnkosten als hohe Belastung. „Bei kleinen Renten oder nur einer Einkommensquelle sind große Wohnungen nicht mehr zeitgemäß.“, so Killer. Sein Fazit viel daher sehr klar aus: Es braucht in Zukunft kleinere und vor allem bezahlbarere Wohnungen.

Jetzt ist die Gleichung „Pflege und Wohnraum“ damit natürlich noch nicht gelöst. Viele Menschen brauchen konkrete Hilfe im Alltag, sei dies durch Angehörige oder einen Pflegedienst. Killer sprach dabei einen äußerst wunden Punkt an. „Der erste Schritt ist, dass man sich selbst eingesteht, dass man Hilfe braucht. Man muss sein Alter realisieren.“ Erst dann könne man ein Wohnkonzept erstellen, dass für alle Beteiligten passend ist. Erich Irlstorfer sprach in diesem Zusammenhang von einem Dreiklang aus zu Plfegenden, Angehörigen und Pflegediensten. „Klar ist es wichtig, dass der Bedarf der Menschen im Mittelpunkt steht. Aber den Angehörigen muss auch geholfen werden. Sie schultern das Ganze.“, fügte er an.

Killer nannte seinen Lösungsvorschlag „Altenpflege 5.0“. Es geht weg von der voll stationären Pflege und weg vom Zweibettzimmer. Die ideale Form für ihn wäre das Wohnen in kleinen Apartments, wo sich Pflegedienste und Angehörige die Aufgabe teilen. Unter Tags steht dann ein Angebot zur „Tagespflege“ zur Verfügung, damit die Kinder unbeschwert ihrer Arbeit und ihrem Privatleben nachgehen können. Es besteht dann weiterhin die Möglichkeit zur Betreuung, aber die Menschen können trotzdem noch ihre Eigenständigkeit wahren und selbst entscheiden, wie ihr Alltag aussieht.

Ein mehr als ambitioniertes Projekt, das flächendeckend wenn überhaupt nur mit größtem Aufwand betrieben werden könnte. Des Pudels Kern, er ist und bleibt auch hier der Pflegekräftemangel. „Es ist unanständig, dass die Menschen in dieser Branche teilweise mit Mindestlohn abgespeist werden.“, so Irlstorfer und spielte dabei auf die Arbeitsbedingungen und damit auch die Attraktivität von Pflegeberufen an.

Landrat Martin Wolf umriss am Ende noch den Fall „Wohnen im Alter“ für den Landkreis. Eine Befragung aus dem Jahr 2012/13 lieferte hierfür die Daten. „Über 90% aller Menschen über 65 Jahren leben in ganz normalen Wohnungen und Wohnquartieren in ihrem bisherigen Zuhause.“ Für alle anderen gibt es im Landkreis ein vielfältiges Angebot, sei das eine ambulant betreute Wohngemeinschaft in Hohenwart oder die Seniorenwohnanlagen in Manching, Baar Ebenhausen oder Geisenfeld. „Es gibt im Landkreis immer einen Platz in einer Einrichtung, nur vielleicht nicht da, wo man gerne hinmöchte.“, resümierte Wolf. Auch er schloss in seinen Ausführungen Irlstorfer und Killer an: Die Zukunft liegt im betreuten Wohnen.
 

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