Das eigene Ego stärken – Wege aus dem Burn-out

Das eigene Ego stärken – Wege aus dem Burn-out

Wolnzach

Wolnzach, 19.06.2012 (hr).

Burn-out eine inzwischen weit verbreitete Krankheit. Es trifft eben nicht nur Lehrer, die dieses Krankheitsbild einst prägten, sondern auch Spitzensportler, Manager oder ganz „normale Menschen“ sind sind dagegen nicht immun. Seit 2008 kümmert sich in Wolnzach Petra Dockendorf um Menschen die im wahrsten Sinne des Wortes ausgebrannt und völlig leer sind. Hallertau.info konnte mit der erfahrenen Therapeutin nicht nur über das Phänomen Burn-out an sich sprechen, sondern auch über Therapiemöglichkeiten.

 

Frau Dockendorf, seit 2008 bieten Sie in Wolnzach Kunsttherapie an. Wie kam es dazu?

Petra Dockendorf: 1997 habe ich ein Studium zur psychoanalytischen Kunsttherapie begonnen. Dies 2004 mit einer Diplomarbeit über Borderline abgeschlossen und arbeite seit März 2008 in den Räumen der Jugend- und Bildungsdorf, was mich sehr freut, denn die Zusammenarbeit mit Sozialpädagogen Max Thalmair klappt sehr gut.

 

Nun haben Sie Kunsttherapie studiert. Was kann man sich darunter vorstellen?

Petra Dockendorf: Kunsttherapie richtet sich ganz speziell an all jene Menschen, die sich schwer tun eigene Gefühle in Worte zu fassen. Kunst fungiert hier als Medium, um Unbewusstes sichtbar zu machen. Dies wiederum kann heilende Prozesse auslösen.

 

Das heißt man arbeitet in der Kunsttherapie ganz viel mit dem Unterbewussten?

Petra Dockendorf: Ganz genau. Das Unbewusste bildet sozusagen eine Brücke um sich der eigenen Probleme bewusst zu werden und letztlich achtsam mit Beziehungen umzugehen. Schwerpunkt meiner Arbeit ist daher vor allem jede Art von Lebenshilfe in schwierigen Situationen.

Was heißt das konkret?

Petra Dockendorf: In meiner Arbeit habe ich es unter anderem mit Mobbing, Depressionen, Erschöpfungszuständen, Beziehungsproblemen aber auch dem klassischen Burn-out zu tun.

 

Burn-out hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Nicht nur Lehrer, sondern Manager oder Spitzensportler leider darunter. Was versteht man unter eigentlich darunter?

Petra Dockendorf: Burn-out ist eine Krankheit, die ursprünglich auf den Berufsstand der Lehrer bezogen war, sie hat sich mittlerweile aber stark ausgeweitet. Man spricht hier im wahrsten Sinne des Wortes von einem „Ausgebrannt sein“, von Menschen die nichts mehr empfinden. Letztlich erstarrt die eigene Seele, so ist auch kein flexibler Umgang mit sich selbst aber auch mit anderen Menschen mehr möglich. Schwierig ist dabei allerdings die Abgrenzung. Nicht alle diagnostizierten Fälle sind tatsächlich Burn-outs. Vor allem gegenüber der Depression, die auch eine Folge sein kann, muss man Burn-out abgrenzen.

 

Wie kommt es zum Burn-out?

Petra Dockendorf: Eine gute Frage. Es ist nicht weil man zu viel arbeitet, denn sonst hätten alle Trümmerfrauen, die Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut haben, auch darunter gelitten. Vielmehr handelt es sich um einen Zustand der Unausgewogenheit. Die Fehlende Ausgewogenheit zwischen Anpassung und Rebellion.

 

Wie ist das zu verstehen?

Petra Dockendorf: Menschen die von Burn-out betroffen sind, mangelt es an Ausgleich. In einem schleichenden Prozess, der bis zu drei Jahre dauern kann, kommt es so zur Depersonalisierung. Man funktioniert nur noch, hat aber keine Möglichkeit den Akku wiederaufzuladen. Oftmals sind solche Menschen auch von Versagensängsten geplagt und verlieren letztlich jegliche Form von Mitgefühl. Beispiel. Einem Manager werden ständig höhere Ziele gesetzt, diese scheinen für ihn aber unerreichbar, weswegen er immer mehr arbeitet. Dennoch macht sich bei ihm ein Gefühl des „Versagens“ breit. Mit immer mehr Arbeit versucht man dieses zu kompensieren und gerät dabei immer weiter aus dem Gleichgewicht.

Wie kann man solchen Menschen helfen?

Petra Dockendorf: In der Zeit während des „Burn-outs“, während dieses schleichenden Prozesses kann man diesen Menschen nicht helfen, aus dem einfachen Grund, weil sie selbst nicht erkennen, dass sie Hilfe benötigen. Schlimm ist dies nicht nur für einen selbst, sondern zum Teil auch für die betroffenen Familien. Erst nach dem Zusammenbruch wird Hilfe zugelassen.

Insgesamt ist das eine ganz schwierige und komplexe Situation, vergleichbar mit einem „bockigen Kind“, das man aus seinem Zimmer locken will. Man kann nur das Angebot unterbreiten „ich bin für dich da“, annehmen muss es der Burn-Outler selbst.

 

Das heißt letztlich muss dieser Mensch selbst erkennen, dass er krank ist und Hilfe braucht.

Petra Dockendorf: Ganz genau. Erst dann kann eine Therapie ansetzen. Dabei gilt es den Menschen wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Wie vorher schon gesagt, bringt Burn-out das persönliche Gleichgewicht durcheinander. Hier setzt auch letztlich die Kunsttherapie an. Über das Malen sollen diese Menschen wieder einen Bezug zu sich selbst herstellen und erkennen, wie sie sich selbst sehen, nur dann ist es ihnen möglich ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu bringen und so letztlich das eigene Ego gezielt zu stärken. Über diese Selbsterkenntnis finden sie wieder zurück ins Leben.

 

Im Namen von hallertau.info bedanke ich mich bei Ihnen, Frau Dockendorf für das Gespräch.

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