Rodegerät statt Abreißgerät
Niederlauterbach
Durch mehrere hervorragende Ernten wurde in den vergangenen Jahren zu viel Alphasäure produziert.
Traditionell veranstaltete der Ring junger Hopfenpflanzer seine Podiumsdiskussion zum Thema Hopfenmarkt. Alle Beteiligten auf dem Podium waren sich einig- nur eine erhebliche Flächenreduktion kann den Hopfenpreis in Zukunft wieder auf ein stabiles Niveau heben.
Referenten an der Podiumsdiskussion waren Vertreter der Hopfenfirmen S.H. Steiner, Joh. Barth&Sohn sowie der Hopfenverwertungsgenossenschaft. Weiterhin nahm der Hopfenpflanzerverband Hallertau durch seinen stellvertretenden Vorsitzenden an der Veranstaltung teil. Der Vorsitzende des Rings junger Hopfenpflanzer, Alexander Feiner, eröffnete die Diskussion mit den Worten „so außergewöhnlich wie das heutige Datum, der 29. Februar, so außergewöhnlich verhält sich auch der derzeitige Hopfenmarkt“. Diese Tatsache gab Anlass dazu, den weltweiten Hopfenmarkt durch die Refernten näher zu betrachten.
Das grüne Gold der Hallertau – es gibt im Moment einfach zu viel.
Heinz-Jürgen Cooberg von der Firma S.H. Steiner brachte den anwesenden Hopfenpflanzern die aktuelle Situation in den USA näher. Er erklärte, dass in den letzten Jahren eine starke Flächenreduktion stattgefunden hat, aber immer noch große Mengen an Hopfen und Hopfenprodukten dort in den Lagern stehen, die auf Lieferung an die Brauindustrie warten.
Die Situation in den europäischen Anbaugebieten sehe sogar noch schlimmer aus, so Peter Hintermeier von der Firma Joh. Barth&Sohn. In Polen und Slowenien wurden in der Ernte 2011 große Mengen an Freihopfen produziert, da die Vertragsdeckungsquote in diesen Ländern schon im letzten Jahr bei nur noch rund 45% lag. Extreme Vertragskürzungen seitens einzelner tschechischer und slowenischer Handelsfirmen machen den Pflanzern dort heftig zu schaffen.
Von derartigem Verhalten distanziert sich Joh. Barth & Sohn deutlich. Verträge müssen in jeder Situation von beiden Vertragspartnern eingehalten werden. Es sei viel wichtiger, in den kommenden Ernten die Freihopfenmenge drastisch zu reduzieren, was nur durch eine enorme Flächenreduktion, sprich Rodung, möglich sein wird. Dies ist auch die Meinung von Adolf Schapfl, Aufsichtsratsvorsitzender der Hopfenverwertungsgenossenschaft HVG. Er stelle den deutschen Hopfenmarkt vor und wies darauf hin, dass in den letzten Jahren nur wenige hundert Hektar in Deutschland gerodet wurden. „Dies ist zu wenig“, so der stellvertretende Vorsitzende des Hopfenpflanzerverbandes, Lorenz Reich. „Wenn wir uns nicht schnell was überlegen, haben wir in den kommenden Jahren nicht mehr 1100 Pflanzer in der Hallertau sondern nur noch 600“. Ein ganz klarer Appell an die Pflanzer, etwas an der Situation zu ändern und das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen.
In der Diskussion wurden auch Themen wie die Rodeprämie der HVG angeschnitten, die jedoch deutlich dementiert wurde und die Probleme in der Zukunft nicht lösen könnte. Auch andere Instrumente des Hopfenhandels, wie Angebote zu Vertragsumstellungen, wurden in den letzten Jahren nur von sehr wenigen Pflanzern angenommen. Hier würde sich der Handel mehr Kooperationsbereitschaft seitens der Hopfenpflanzer wünschen. Die Vermarkter seien auch in Zukunft bereit, den Pflanzer bei seinen Entscheidungen zu unterstützen.
Mag man auch in Punkto Rodeprämie unterschiedlicher Meinung sein, in einem war man sich dann aber doch einig. Nur eine deutliche und schnelle Flächenreduktion kann die Überversorgung mit Alphasäure mindern. Deshalb soll in der Ernte 2012 die Produktion von Freihopfen vermieden werden, da diese für den Pflanzer unwirtschaftlich sein werden und ihm Verluste durch die hohen Produktionskosten einbringen werden.
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