IHK-Großoffensive für Arbeitsqualifikation
Wolnzach
Im Wolnzacher Hopfenmuseum fiel am Mittwoch der Auftakt zu einer beispiellosen „Allianz für Fachkräfte“, ein Pilotprojekt der IHK im Landkreis Pfaffenhofen. Dr. Markus Weingärtner von der IHK-Akademie moderierte zwei Podiumsrunden mit Unternehmern und Arbeitskreisvorsitzenden über die Schwerpunkte der Offensive. Peter Kammerer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern wünschte dem Vorhaben viel Erfolg.
Es ist der Alterung der Gesellschaft ebenso Rechnung zu tragen wie den Veränderungen der Arbeitsplätze mit neuen Anforderungen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bringt Frauen in das Berufsleben zurück. Auch Teilzeitausbildung bietet die IHK an. Jugendliche mit Migrationshintergrund sollen bei Ausbildungsplätzen ankommen. Um Mitarbeiter zu binden oder zu gewinnen, muss die Standortattraktivität stimmen.
Landrat Martin Wolf unterstützt das Vorhaben mit Freude. Eine Allianz bündle die Kräfte und koordiniere alle bisherigen Ansätze. Dabei sei das Vorhaben positiv ausgedrückt: für Fachkräfte und nicht gegen Fachkräftemangel. So hofft Wolf, den Spitzenplatz von Focus Money verteidigen zu können. Bürgermeister Jens Machold nutzte seine Begrüßung für ein leidenschaftliches Plädoyer für das Wachstum Wolnzachs. Was an Einschränkungen beim Flächennutzungsplan gekommen sei, lasse den Glauben an die Politik verlieren.
Dann standen drei Unternehmer vor den vielen Zuhörern: Werner Riethmann, Geschäftsführer von LOWA Sportschuh GmbH in Jetzendorf, Roman Neuber von Elektro Neuber Wolnzach und Christian Dierl, Malermeister, ebenfalls aus Wolnzach. Alle drei schilderten ihre Erlebnisse und Praxis mit Lehrlingen und Facharbeitern generell. Keiner hatte echte Probleme, gute Mitarbeiter zu finden.
Nach einer viertelstündigen Kaffeepause wurden die Unternehmer Eduard Kastner, Medienhaus Kastner Wolnzach, und Karl Straub, Autohaus Straub Wolnzach, zu ihren Einschätzungen der Probleme am Arbeitsmarkt befragt. Der Leiter der Agentur für Arbeit, Günter Böhm, schilderte, dass er noch einige Jugendliche trotz fertiger Ausbildung nicht so einfach bei den Betrieben unterbringt. Max Hechinger und Joachim Reuter schilderten die ersten Arbeitsgruppenergebnisse zur Problemlösung. Jugendliche zu qualifizieren und Migranten zu integrieren. Elfriede Kerschl, IHK, kümmert sich vor allem um mehr Frauen als Fachkräfte.
Als Problem stellt sich bei Jugendlichen, sie zur Arbeitsdisziplin anzuleiten. Mit „Job-Paten“ sollen Mängel des Elternhauses ausgeglichen werden. Die Mobilität müsse verbessert werden. Jeder Betrieb habe seinen Weg entwickelt, Jugendliche an sich zu binden. Gerade Neuber und Dierl beeindruckten das Publikum, das mehrheitlich mit Unternehmern besetzt war, mit markigen Feststellungen zur Praxis, während Riethmann mit 142 Mio. € Umsatz in einer ganz anderen Klasse spielt und sein Unternehmenvon vielen Sonderfaktoren geprägt wird. Aber auch hier fielen deutliche Worte und entpuppte sich der Firmenchef als sympathisch, umsichtig und pragmatisch.
Dieser Ideenreichtum gab große Hoffnung, dass die IHK ihr Vorhaben durch Bündelung der Kräfte schneller als geplant umsetzen wird. Bedauert wurde, dass Schulamtschef Vitus Schwärzer fehlte, auch wenn Karl Straub eine große Lanze für die Abgänger der Wolnzacher Hauptschule brach. Es bestehen freilich keine Messgrößen zur Erfolgsbestimmung der Allianz. Als Anlaufstelle fungiert Wilhelm Kapfer in Ingolstadt, Tel. 08 41 / 93 87 10.
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