Poery for Peace

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Wolnzach

Wolnzach, 18.05.2018 (ls).

Vielen Wolnzachern ist gestern Abend ein echtes Juwel entgangen. Schüler des Hallertau Gymnasiums hatten in ihre Aula eingeladen. Sie wollten mit selbst geschriebenen Texten und Musik ein Zeichen gegen Rassismus setzen, die sympathischen Jungs der Abendsberger Band „Ohrange“ standen ihnen dabei tatkräftig zur Seite. Das Ergebnis: echte, ehrliche Gänsehautmomente.


Seit 2013 gibt es das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ am HGW. Als Katharina Sichert und ihre Mitstreiterinnen im Sozialkunde-Unterricht von der Aktion hörten, waren sie sofort Feuer und Flamme. „Wir fanden die Idee dahinter so toll. Und da wir auch im Wahlkurs ‚Kreatives Schreiben‘ aktiv sind, dachten wir uns, das lässt sich doch bestimmt gut verbinden“, erklärte sie. Die Texte überraschten mit gestochen scharfen Bildern, die nicht selten aus alltäglichen Dingen eine Flaschenpost mit unkonventioneller Nachricht zauberten.


Achilles wäre kein wahrer Held, meinte beispielsweise Katharina Sichert. Unsterblichkeit und Gier sind keine Ideale, für die es sich zu kämpfen lohnt. Katrina Häupel verwandelte eine Putzfrau in eine kampfbereite Amazone mit Besenschwert, die ihre ganz eigenen Alltagsschlachten zu schlagen hat. Florian Sichert nahm sich einem Verkäufer von gefälschten Uhren an, Tom Hofmann und Alina Reiter malten die Welt mit ihren Worten ein kleines bisschen bunter.


„Herr Maler gibt uns immer ein Stichwort vor, das können ganz alltägliche Dinge sein. Bei meinem Text ging es ums Wasserkochen“, erklärte Katrina Häupel den Ablauf einer Stunde „Kreatives Schreiben“ bevor sie die Zuhörer in ein Krankenhaus nach Mosul entführte. Und auch Kursleiter Bastian Maler überraschte seine Schüler mit einem slamverdächtigen Text über den Sinn des Lebens und dessen Verordnung in Formularen.


„Meine Schüler überziehen regelmäßig die Stunde, das bin ich so gar nicht gewohnt. Und das inspiriert mich selbst“, erklärte Maler. Inspiration – nicht weniger als das lieferten auch Jungs von Ohrange. Mit ihrem Anspruch, mit ihrer Musik Vitamin C für die Seele zu liefern, beeindruckten Sebastian und Manuel. Und die eine oder andere Weisheit hatten sie für die Schüler auch dabei: „Wenn jemand anders ist, wird er dafür schräg angeschaut. Sobald er fame hat, wird er für sein Andersein gefeiert“, erklärt Manuel. Ja, auch das ist Rassismus.


„Das ihr hier sowas macht, ist Gold wert“, machte Manuel weiterhin deutlich. Ein so kleines Konzert zu spielen und mit Schülern eine Bühne zu teilen ist für die beiden Ehrensache – immerhin spielen sie meist vor einem wesentlich größeren Publikum als einer Aula mit rund 30 Menschen. „Das ist hier heute richtig intim“, meine Sebastian kurz vor Schluss, und traf damit den Nagel auf den Kopf: Für viele kleine Momente war man sich am Hallertau Gymnasium ganz nah – und Rassismus undenkbar.
 

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