Heute vor 40 Jahren: Die Frage nach dem Gewissen

Heute vor 40 Jahren: Die Frage nach dem Gewissen

Wolnzach

Wolnzach, 16.04.2018 (ls).

Früher war alles besser! Oder ist Neues immer besser? Sicherlich haben sich die Zeiten geändert, oder? Treten wir den Beweis an! Wühlt man in den Tiefen des Medienhauses Kastner, findet man dort einen Schatz, der die Geschichten der vergangenen Jahrzehnte konserviert: Das große Archiv des Wolnzacher Anzeigers. Einmal in der Woche setzen wir euch in eine Zeitmaschine und nehmen euch mit zwischen die verstaubten und vergilbten Seiten einer der ältesten Tageszeitungen Deutschlands. Angeschnallt?


Nächster Halt: 16. April 1978


„Gewissensprüfung findet wenig Anklang“


Wissen Sie noch, was eine Gewissensprüfung ist? Mit fast schon fanatischem Eifer stritt man jahrelang über das Recht, den Kriegsdienst verweigern zu dürfen. Drückeberger und Vaterlandsverräter – die Liste der Schimpfwörter für Zivis war lang, die Debatte erbittert. Einem Ausschuss musste man sich damals noch stellen, zwei Stunden und länger wurden die jungen Männer befragt. Am Ende konnte der Antrag immer noch abgelehnt werden – welche Argumente auch immer man vorzuweisen hatte. 1978 berichtete der Wolnzacher Anzeiger, dass sich ein Großteil der etablierten Parteien gegen eine Rückkehr zum erst kürzlich abgeschafften System der Gewissensprüfung aussprach. Die Lockerung der Wehrpflicht machte vier Jahrzehnte später Schule: 2011 wurde die Einberufung zum Grundwehrdienst auf den Spannungs- oder Verteidigungsfall beschränkt.


„Bundestag einig über Förderung energiesparender Maßnahmen“

 

Wow, der Bundestag war 1978 seiner Zeit echt voraus, oder? Energiesparendes Bauen – waren das etwa erste Anstalten, dem Umweltschutz eine fette Bühne zu verschaffen? Zu früh gefreut! Denn im Bonn der 70er Jahre macht eher die Rohstoffverknappung sorgen. „Bundeswohnungsbauminister Dieter Haack begründete den Gesetzesentwurf damit, daß Energie wegen der begrenzten Reserven an Erdöl- und Erdgas trotz des gegenwärtig scheinbaren Überflusses gespart werden müsse …“
Ein Beratungsgremium der US-Regierung wies übrigens schon 1965 auf die Gefahren menschengemachter Emissionen und des Treibhauseffekts hin. In Deutschland dauerte es dennoch bis in die 1980er Jahre, bis die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes die Nase voll hatten und das Problem der Luftverschmutzung in der breiten Öffentlichkeit auch als solches erkannt wurde.

 

Stellenmarkt


Ja, auf den ersten Blick scheint er doch eine gewisse Banalität auszustrahlen, so ein Stellenmarkt. Schaut man genauer hin, verrät er aber doch einiges über die Lebenswirklichkeit der Menschen damals. Was suchte man denn so in der Hallertau? Eine Verkäuferin, einen Lehrling, einen Kraftfahrer, einen Bezirksleiter und eine Raumpflegerin. Kommt Ihnen da was komisch vor? Sie Fuchs! Seit dem Jahr 2006 gibt es das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Das verbietet Arbeitgebern eben solche geschlechterspezifischen Stellen auszuschreiben, um eine Diskriminierung nach Ethnie, Geschlecht oder religiöser Überzeugung zu verhindern. Und seither sucht man eben nach einem/einer Raumpfleger/in.
 

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