Was zwei rohe Eier, Franz Josef Strauß, Christian Springer und die CSU verbindet

Was zwei rohe Eier, Franz Josef Strauß, Christian Springer und die CSU verbindet

Wolnzach

Wolnzach, 19.11.2017 (rt).


Integration und Leitkultur können so herrlich kompliziert sein: „Mia san mir, aber wenn die andern a mir san, wer sann dann mia?" Das fragt sich Christian Springer in seinem sehr persönlichen gehaltenen Programm „Trotzdem“. Das spielte er gestrigen Samstagabend in dem mit Publikum bis zum letzten Platz gefüllten Veranstaltungssaal des Deutschen Hopfenmuseums in Wolnzach. Persönlich ist das Programm auch deshalb, weil der Kabarettist darin eine schier unglaubliche Geschichte erzählt.

„Die gestern waren viel besser“ rief Springer wenig schmeichelhaft ins Publikum, als es sich stehend mit der deutschen Nationalhymne mühte. Als es dann auch noch erfuhr, dass die Melodie mit dem eines alten kroatischen Volksliedes übereinstimmt, war der eine oder andere vielleicht wenigstens erstaunt. „Fünf Minuten Leitkultur üben“, ging irgendwie daneben. Und das war von Springer wohl sicher so kalkuliert. Ebenso der Überraschungseffekt, dass typisch deutsch eigentlich nur das sonntägliche Spazierengehen sei. Obendrauf werde es unter dem wissenschaftlichen Begriff Promenadologie an der Kassler Hochschule gelehrt. Dabei sei Deutschland mit seinen drei Strophen noch gut dran. „Die griechische Nationalhymne hat 154 Strophen , das erklärt viel über die griechische Wirtschaft.“ Beinahe zur Geschichtsstunde wird „Trotzdem“, weil das Programm so viele historische Bezüge herstellt und Umwege aufzeigt. All das ist dem Versuch eines Nachweises geschuldet, aufzuzeigen, dass es eine Leitkultur, wie von der Politik gefordert, einfach nicht geben kann.

 

 

Der Kabarettist kratz nicht an der Oberfläche, er wühlt im Sumpf des Vergessens und Verdrängens, der Lüge und der Niedertracht. Springer bewältigt in „Trotzdem“ aber auch seine Vergangenheit.

Aus seiner Studentenzeit berichtet er über einen ungeheuerlichen Vorfall: Demnach habe er sich an Sicherheitsleuten vorbei in den Münchner Nockherberg-Saal geschmuggelt. Dort war der damalige Ministerpräsident Franz Josef Strauß und hielt eine Rede. Springer erzählte, dass er in seiner Jackentaschen zwei rohen Eier verbarg. Mit beiden habe er versucht, Strauß zu treffen. Was ihm aber aus physikalischen Gründen und falsch berechneter Flugbahn misslungen sei. Ein darauf folgendes Verfahren sei eingestellt worden. Und jetzt kommt‘s: Strauß habe ihn danach wegen Körperverletzung angezeigt. Demnach hätten die Eier Strauß direkt im Gesicht getroffen. Detailliert legt Springer den Vorgang dar, zitiert aus dem seinerzeitigen Schriftverkehr und stellt die damaligen Äußerungen von Strauß seines Generalsekretärs Edmund Stoiber als eine Aneinanderreihung von Lügen dar. Der junge Student der semitischen Sprachen wird trotzdem zu 5.000 Mark Geldstrafe verurteilt. Eine horrende Summe für den Studenten. Später habe ihm ein Professor anvertraut, dass der Staatsschutz bei ihm vorstellig geworden sei und es gesagt bekommen habe, dass Springer weder in München noch an einer anderen bayerischen Universität zu einem Abschluss kommen werde. Jahrelang sei die Angelegenheit in der christlich geprägten, gutbürgerlichen Familie zentrales Thema gewesen. Springer stellte die rhetorische Frage, was denn wäre, wenn es „wirklich um etwas geht, wenn die schon bei so etwas lügen.“ Übrigens: Das damalige Geschehen werde er in einem Buch veröffentlichen, kündigte Springer am Rande der Veranstaltung an.

Seinen Frieden mit der CSU hat der Künstler aber offenbar geschlossen, zumindest im Ausland. Denn Springer berichtet auf der Bühne davon, dass er mit den Ministern Beate Merk und Joachim Herrmann im Libanon - wo er sich mit seinem Verein "Orienthelfer" für Flüchtlinge engagiert – vor geraumer Zeit Seite an Seite gestanden hat. Fast eine halbe Million Euro hat er sogar für Orienthelfer aus der bayerischen Staatskasse erhalten. Zurück in Bayern sehe es allerdings schon wieder anders aus, so Springer.

Am Ende seines Programms ruft der Kabarettist das Publikum schließlich dazu auf, Haltung zu zeigen und auf dem Weg zu bleiben. Trotzdem!

 

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