Niederlauterbach – auch heimatlos!

Niederlauterbach – auch heimatlos!

Wolnzach

Wolnzach, 06.07.2017 (hr).

Dass der phänomenale Auftritt der Niederlauterbacher Theatergruppe, der Schlussakkord im Saal des Gasthaues Reich war, hätte damals niemand gedacht.

Vielen Niederlauterbachern stehen die Fragezeichen buchstäblich ins Gesicht geschrieben, denn der Saal im Gasthaus Reich, in dem sie so viele Feste, so viele Partys gefeiert haben, steht nicht mehr zur Verfügung. Aus betrieblichen Gründen hat ihn Lorenz Reich schon ein wenig überraschend geschlossen.

„Die Doppelbelastung der Landwirtschaft und der Gastronomie ist einfach zu groß“, erklärt Reich. Erst vor kurzem hat er den elterlichen Betrieb übernommen und muss sich neben der Wirtsstube auch um das grüne Gold kümmern. In Summe blieb ihm in den vergangenen Monaten damit, wie er im Gespräch gegenüber unserer Zeitung erläuterte, zu wenig Zeit für die Familie. Dies waren nicht die einzigen Gründe, unter den Saal einen Schlussstrich zu ziehen. „Wir hätten hier viel Geld in die Hand für die Sanierung  nehmen müssen“, führte er aus. Und hier fehlte ihm am Ende bei nur „30 Veranstaltungen im Jahr“ die Wirtschaftlichkeit.

Dass der Saal nicht für die Ewigkeit gebaut war, das war vielen Niederlauterbachern bewusst. Dass der Schlüssel jedoch so schnell im Schloss gedreht wird, das hatte am Ende niemand erwartet. „Wir sind im Moment wirklich alle ratlos“, erklärte Christian Forsthofer. Gerade erst vor einigen Monaten hatte er mit seinen Schauspielern dort acht Mal vor ausverkauftem Haus gespielt, zuvor in Abstimmung mit dem Wirt auch die Bühne noch umfangreich erneuert und jetzt steht man buchstäblich auf der Straße. „Wir haben am Dienstag die Bühne abgebaut. Wie es insgesamt weitergeht, das wissen wir nicht“, so Forsthofer.

Ähnlich ratlos zeigte sich Markus Maier, Vorstand des Niederlauterbacher Sänger. Auch sie haben ihre Heimat verloren. „Die plötzliche Entscheidung hat uns überrascht“, erklärt er mit Sorgenfalten auf der Stirn. Es ist speziell der „Lauterbacher Abend“, der ihn umtreibt. „Dieser Abend ist über die Jahre zu einem Kulturgut geworden“, erklärt Maier. Nicht nur die Sänger, sondern auch Musikanten und vor allem die unterschiedlichen Jugendgruppen bot sich dort die perfekte Bühne. Gemeinsam lachen, gemeinsam feiern – wenn er heute an den 6. Januar denkt, dann legt sich seine Stirn in Falten. „Wenn es diesen Abend in Niederlauterbach nicht mehr gibt, dann geht mit ihm ein Stück Kultur verloren.

Theaterspieler und Sänger sind nur exemplarisch zu sehen. Ob die Schützen, die Persönlichkeiten der Hopfenwirtschaft, der Sportverein und die Jäger, für viele bot der Saal in den vergangenen Jahren die Möglichkeit, in einem größeren Rahmen Veranstaltungen abzuhalten. „Für Niederlauterbach ist das ein enormes Problem. Vor nicht allzu langer Zeit gab es dort noch zwei Gaststätten. Innerhalb kurzer Zeit hat sich die Lage dramatisch verändert“, fasste Bürgermeister Jens Machold die Situation zusammen. Wo kann in Niederlauterbach künftig gefeiert werden, wo kann die Dorfgemeinschaft mit fiebern, wenn Daniel Brodmeier vielleicht in Tokio erneut um olympisches Edelmetall kämpft und ist ein „Lauterbacher Abend“ noch ein Lauterbacher Abend, wenn er nicht mehr in Niederlauterbach stattfinden kann?
„Es ist eine Situation, das Dorf ernsthaft gefährdet“, so der Rathauschef. Wo soll Gemeinschaft stattfinden, wenn der Raum dafür fehlt? Eines machte Machold in diesem Zuge deutlich: „Wir lassen die Niederlauterbacher und ihre Vereine in dieser Situation nicht alleine!“ Ein Signal, dass seitens der zahlreichen Vereine positiv aufgenommen wurde. Gemeinsam will man sich dort an einen Tisch setzen, um Lösungen zu diskutieren. Eine davon wird sicherlich ein eigener Dorfsaal sein.

Wie seitens des Rathauses bestätigt wurde, gab es diesbezüglich schon erste Vorgespräche mit dem Landratsamt in Pfaffenhofen. „Wir müssen jetzt den Bedarf ermitteln, dann können die nächsten Schritte einleiten“, so Machold, der deutlich machte, dass ein Neubau Zeit in Anspruch nehmen wird. „Alleine schon wegen der vielen Vereine und der zahlreichen kulturellen Highlights brauchen wir eine Übergangslösung“, erklärt der Rathauschef, der diesbezüglich noch einmal mit dem Wirt reden will.
 

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