„Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“

Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?

Pfaffenhofen

Pfaffenhofen, 27.08.2013 (hal).

Jedes Jahr am zweiten Sonntag im September öffnen historische Bauten und Stätten, die sonst nicht oder nur teilweise zugänglich sind, ihre Türen für interessierte Besucher. In diesem Jahr steht „Der Tag des offenen Denkmals“ am 08. September unter dem Motto der unbequemen Denkmale. Es soll die zentrale Frage der Denkmalpflege aufgegriffen und öffentlich diskutiert werden: Was ist wert, erhalten zu werden und weshalb? Was macht Denkmale unbequem und warum? Gibt es überhaupt bequeme Denkmale? Ein Motto, das nicht leicht zu erschließen ist.

Im Landkreis Pfaffenhofen stehen am 08. September verschiedene Denkmale für die Besucher offen.

In Geisenfeld werden zwei Führungen durch das alte Rathaus angeboten. Das zuletzt als Museum genutzte Gebäude wurde 1626 errichtet. Derzeit laufen Vorbereitungen für die Sanierung des historischen Gebäudes. Die Führungen beginnen um 13:00 Uhr und um 15:00 Uhr. Hier bietet sich für die Besucher die Gelegenheit, tiefere Einblicke in die vielschichtigen Herausforderungen bei der Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes zu bekommen.

In der evangelisch-lutherischen Friedenskirche in Manching findet um 10:00 Uhr ein Gottesdienst statt. Im Anschluss ist eine Führung durch das beeindruckende Gebäude geplant. Um 14:00 Uhr und um 16:00 Uhr werden noch zwei weitere Führungen angeboten. Die Friedenskirche wurde 1958 nach Plänen von Olaf-Andreas Gulbransson fertig gestellt. Das Gotteshaus steht am Eingang der ehemaligen Verteidigungsanlage Fort VIII, welches Teil der 1880 errichteten Festung Ingolstadt war. In den letzten Jahren des zweiten Weltkrieges war hier eine Außenstelle des Wehrmachtsgefängnisses München untergebracht. Ab 1946 wurde das Festungsrelikt nach und nach gesprengt und abgetragen. Um ein Zeichen für das Ende des Krieges und den Frieden Jesu Christi zu setzen, wurde die Friedenskirche aus den Trümmern des Forts an dessen Stelle errichtet.

Mit der Arrestzelle im Rathaus und dem Pfänderturm, auch bekannt als Hungerturm, gibt es in Pfaffenhofen gleich zwei „unbequeme“ Denkmäler im Rahmen einer gemeinsamen Führung zu besichtigen. Start ist um 13:30 Uhr und um 14:30 Uhr jeweils am Rathaus. Zu den dunklen Kapiteln in der Stadtgeschichte Pfaffenhofens gehört die Arrestzelle im Rathaus. Während des dritten Reichs war im Rathaus eine Polizeiwachstube untergebracht. Der damalige Polizeimeister der Wache ließ im Keller des Gebäudes die Arrestzelle errichten. Beim Pfänderturm handelt es sich um eines der ältesten noch bestehenden Bauwerke in Pfaffenhofen. Errichtet wurde der Turm um das Jahr 1400. Hier wurden Personen eingesperrt, die ihren Zahlungen nicht mehr nachkommen konnten und daraufhin gepfändet wurden.

Erklärtes Ziel des „Tages des offenen Denkmals“ ist es, die Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes zu sensibilisieren und das Interesse für die Belange der Denkmalpflege zu wecken.

Weitere Informationen und das vollständige bundesweite Programm können im Internet unter http://tag-des-offenen-denkmals.de abgerufen werden.
 

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