Fuchur sollte kein Cocker Spaniel sein!

Fuchur sollte kein Cocker Spaniel sein!

Wolnzach

Wolnzach, 19.07.2018 (ls).

Kein Angerer: Wäre es nach Michael Ende und Angerer dem Älteren gegangen, würde Fuchur heute ganz anders aussehen. (Foto: @Bavariafilmstudios)

 

Angerer der Ältere ist Künstler, Architekt und Wegbegleiter von Fantasy-Legende Michael Ende. Im Teil 1 unseres Interviews bricht er eine Lanze für die Notwendigkeit von Fantasie in unserer Kultur.

 

Angerer der Ältere - wer in der Welt von Kunst und Fantasy unterwegs ist, kennt seinen Namen. Er hat Michael Endes Welt in der gefeierten Filmadaption von „Die unendliche Geschichte II“ Leben eingehaucht. Im Rahmen seiner derzeitigen Ausstellung im Deutschen Hopfenmuseum haben wir uns mit dem preisgekrönten Tausendsassa unterhalten. Über Kunst, Michael Ende, Tolkien, Frodo und Bastian. Am Ende sogar über Gott und die Welt.

 

 

Das Zentrum Ihrer Kunst ist Fantasie. Auch Ihre Romane lassen sich dem Fantasy-Genre zuordnen. Inwiefern ist Ihnen das wichtig?

Ich mag den Begriff „Fantasy“ nicht. Auch „1001 Nacht“ war so fantastisch, dass man es diesem Genre zuordnen könnte. Der Begriff „Märchen“ ist aber treffender. Ich liebe Märchen, schon seit meiner Kindheit. Sie sind etwas, das über die reine Realität hinausgeht. Da passieren Dinge, die man nicht für möglich hält. Es gibt den Menschen in ihrer Vorstellung eine unglaubliche Kraft, dass es etwas gibt abseits des reinen Rationalismus.

 

Kraft, weil er sich damit in andere Welten versetzen kann? Damit er die Realität aussperrt oder eher, damit er in der Lage ist, Dinge zu erschaffen?

Dinge zu erschaffen ja, die Realität auszusperren nein. Wer die Realität außer Acht lässt, scheitert. Michael Ende hat das gezeigt. Wie Bastian muss man aus Phantasien wieder zurück kommen, sonst verliert man sich. Dennoch muss es die Welt des Seelischen geben. Es ist nicht nur alles Oberfläche und Materie.

 

Sie durften damals in der Entstehung des Films „Die unendliche Geschichte II – Auf der Suche nach Phantásien“ eine entscheidende Rolle spielen. War Ihnen bewusst, welches Ausmaß die Verfilmung von Michael Endes Werk annimmt? In den Bavaria Filmstudios ist Fuchur heute noch die Attraktion schlechthin.

Und das, obwohl Michael Ende ihn so gar nicht haben wollte! Er war geradezu entsetzt über diesen Fuchur! Er hatte sich einen wirklichen Drachen vorgestellt. Ich habe damals eingehend mit ihm darüber gesprochen. Es sollte ein lächelnder Drache sein, vor dem man keine Angst haben muss, aber trotzdem ein Drache. Im Film haben sie einen Cocker Spaniel aus ihm gemacht! Für mich war das keine Katastrophe, für ihn schon.

 

Die Möglichkeit einer Identifikation mit Fuchur wurde durch die hundeartige Darstellung aber noch viel stärker, vor allem für Kinder.

Im Filmprozess gibt es eine riesige Flut von Ideen. Was in der Produktion davon übrig bleibt, ist meistens auch noch sehr gut. (lacht)

 

Hätten Sie damals gedacht, dass der Film ein so großer Erfolg wird?

Ja. Auch das Buch war schon großartig. Michael Ende hat neue Erlebnisse erschaffen. Genauso wie Tolkien und sein „Herr der Ringe“. Der ist übrigens auch sehr gut verfilmt worden.

Angerers Werke: Wie viele Geschichten fallen Ihnen dazu ein?

 

Das wäre tatsächlich noch eine Frage an Sie gewesen, ob sie Peter Jacksons Adaptionen mögen.

Ja, sehr! Auch ich durfte in Hamburg bei der Theater-Uraufführung von „Der Hobbit“ mitwirken. Tolkiens Geschichten machen Spaß. Und die Arbeit am Theater ist viel schöner als beim Film.

 

Was unterscheidet Theater und Film?

Theater ist lebendiger und spontaner. Der Film ist anders. Irgendwo in Los Angeles wird bei Warner entschieden, wie er aussehen soll. Man selbst hat mit der Entscheidung nichts zu tun.

 

Da sind wir an einem interessanten Punkt. Sie haben beide Welten erlebt. Würden Sie die Dinge heute noch genauso machen wie damals?

Ich würde mich mehr auf die Hinterbeine stellen, gerade beim Film. Ich hatte für die Panzerriesen damals eine genaue Vorstellung. Schreckliche Monster mit vier Beinen! Aber ich habe es nicht durchgebracht. Auch Michael Endes Idee war anders. Panzerriesen, die martialisch wie eine Soldateska aufmarschieren! Und wenn sie dann daliegen, wären sie nichts weiter als hohles Blech. Vielleicht habe ich da nicht genügend gekämpft.

 

Egal ob im Film oder auf dem Papier: Das Genre Fantasy hat einen schwierigen Stand. Entweder man stapft in die Spuren von Tolkien und Ende, oder man schafft es nicht und endet als Groschenroman. Warum?

Michael Ende und Tolkien waren die Großen, obwohl sie doch so unterschiedlich waren. Was danach kam, waren Abräumer. Wie hieß noch gleich diese Serie, die derzeit so gefeiert wird?

Die neuen Meister: Angerer der Ältere ist Teil der Künstlergruppe "Die Neuen Meister", deren Werke derzeit im Deutschen Hopfenmuseum zu sehen sind.

 

Meinen Sie „Game of Thrones“?

Nein nein, das mit dem Buben, der alles kann!

 

„Harry Potter“ vielleicht?

„Harry Potter“ wäre ohne Michael Ende und Tolkien undenkbar! Das sind nicht einfach nur Geschichten. Da entwickelt sich etwas. Frodo, der Ringträger, muss großen Charakter zeigen. Er muss achtgeben, dass ihn diese Veränderung nicht zerstört. Er muss verzichten! So ähnlich ist es auch bei „Die Unendliche Geschichte“. Bastian muss die Macht an Atreju abgeben. Er muss charakterlich wachsen.

 

Vor allem sind es sehr unerwartete Helden, Bastian und Frodo.

Dass Tolkien die Hobbits erschaffen hat, war ein Geniestreich!

 

Für Fantasy-Autoren ist es schwierig, in diese riesigen Fußstapfen zu treten.

Das stimmt. Auch ich habe schon Märchen-Romane geschrieben. Dazu hat mich Michael Ende angehalten. Mit ihm konnte man zusammensitzen bis spät in die Nacht, mit viel Wein und Lachen. Er ist Schriftsteller geworden wegen der Bilder seines Vaters, Edgar Ende. Ein fantastischer, unheimlich fantasievoller Maler mit unglaublich schönen Themen. Das hat den Sohn dazu angeregt, seine Geschichten zu Papier zu bringen. Und dann hab ich zu Michael Ende gesagt: Bei mir ist es umgekehrt. Ich male so viel, da könnte ich mir Geschichten dazu vorstellen. Er hat mir dazu geraten, zu schreiben. Ich mach es zwar gerne, aber ob ich es so gut kann, das weiß ich nicht. Für mich bleibt das Spaß.
 

Das Interview wurde bezüglich Länge und Lesbarkeit redigiert.

 


Lust auf mehr Angerer?

"Die Rückkehr des Menschen in die Kunst“: Ein noch nie da gewesener wunderschöner und aufrüttelnder Kunstband mit brisanten, höchst scharfen, zeitkritischen Texten. Der überzeugte Christ und Europäer Angerer der Ältere, Architekt, Maler, Bildhauer und Schriftsteller ist einer der vielseitig begabtesten Künstler dieses Jahrhunderts. Er sieht seine Aufgabe darin, der Kunst wieder Schönheit, Phantasie, Geheimnis und Mythos zurückzugeben.

 



 

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